Samstag, 13. Dezember 2014

Kürkleid making of - von der Idee zum fertigen Kleid

Ich wollte euch gerne mal den Weg von der Idee eines Kleides bis zum fertigen Stück dokumentieren, also habe ich bei meinem letzten Projekt im Laufe der Arbeit immer mal wieder Bilder gemacht. Da das Kleid nun endlich fertig geworden ist, möchte ich euch die nicht mehr länger vorenthalten!

Am Anfang eines Kleides steht immer die Idee... die sollte möglichst neutral sein oder noch besser zur Musik passen.
Die aktuelle Musik ist das Lied "Ocarina of time" aus dem Adventure "The Legend of Zelda".
Das Lied ist eigentlich eher neutral bis verspielt, wenn man den Hintergrund nicht kennt... von der Geschichte her eher naturverbunden und ursprünglich sollte das Kleid grün werden... Die Eisprinzessin hat sich dann aber doch für ein Blumendesign entschieden und machte sich mit etwas Hilfe sogleich an den ersten Entwurf:


Eigentlich steht die Form des Schnittes hier schon fest. In dem Fall kamen bei der Ideensammlung aber auch noch neue Ideen für den Schnitt, was sich natürlich auch auf das Muster auswirkt.

Es wird also noch gefeilt, ausprobiert und experimentiert. Wie wirken die Stoffe zusammen? Wie passt das gewünschte Muster zum Schnitt?

Einige wenige Entscheidungen treffe ich sogar erst, nachdem die grundlegenden Teile des Designs bereits zugeschnitten sind. So sind zwei Farben, die Fräulein Mini-marelibu sich eigentlich noch dazu gewünscht hatte, rausgeflogen, weil es einfach zu bunt wurde und nicht gut wirkte.



Wenn das grundlegende Design steht, geht es an den Schnitt. Zunächst übertrage ich einen Grundschnitt auf Papierbögen. Hierzu nehme ich äußerst ungern das im Handel erhältliche Seidenpapier... das ist zwar ganz wunderbar geeignet, um die Linien ab zu pausen, aber es ist wahnsinnig empfindlich, reißt sehr schnell und ich nutze solche Schnitte einfach auch gerne öfter. Daher nehme ich Zeichenblöcke und klebe im Zweifel mehrere Seiten aneinander, wenn eine zu klein ist.

Hier seht ihr die Schnitteile für Ärmel, Oberteil vorne und hinten, Kragen und Hose vorne und hinten. Die Teile für den Rock fehlen noch.

Einige Teile kann man im Stoffbruch zuschneiden, andere spiegelt man, indem man das Schnittteil einfach andersherum auf den Stoff überträgt. So spart man ein wenig Zeit und Papier.
Da dieses Kleid asymmetrisch werden sollte, musste ich die Teile, die eigentlich im Stoffbruch zugeschnitten werden, doppeln und dann entsprechend verändern..






 Zusätzlich habe ich von diesen Teilen Kopien angefertigt, auf denen die Applikationen passend eingezeichnet und dann ebenfalls ausgeschnitten wurden.

Je nach gewünschtem Design ist dies nicht nötig - bei diesem Motiv war ich aber sehr an die Form des Kleides gebunden, so dass dieser Schritt mir eine große Hilfe war.


Wenn der Papierschnitt fertig ist, geht es endlich an den Stoff. Alle Schnitteile werden auf die entsprechenden Stoffe übertragen und dann ausgeschnitten.

Zum Übertragen der Schnitte nehme ich einen speziellen Stift. Früher habe ich mit Kreide und Kreidestiften hantiert, aber seit dich Bekanntschaft mit diesem Zauberstift machen durfte, schaue ich die kläglichen Reste aus der Kreidezeit nur noch verächtlich an. ;-)


Dieser Stift hat verschiedene Vorteile: Zum Einen zieht sich der Stoff nicht so stark beim Übertragen. Gerade bei weichen, elastischen Stoffen ist das ein riesengroßer Vorteil. Zum anderen verschwindet die Farbe binnen Stunden (in seltenen Fällen sogar noch schneller) oder maximal 2-3 Tagen. Nur bei ganz wenigen Stoffen funktioniert das nicht so gut, dann kann man die Farbe aber gut entfernen, indem man mit einem feuchten Tuch darüber tupft.

Anfangs war ich auch sehr skeptisch wegen der Farbe, diesen Stift gibt es nämlich nur in lila. Aber in meiner Kreidezeit musste ich je nach Stofffarbe auf verschiedene Kreidefarben zurückgreifen, weil man teilweise die Linie sonst nicht sah. Ja, es kommt vor, dass ich mit meinem Zauberstift nicht weiter komme, dann muss eben doch wieder die Kreide her. Aber das ist sehr selten. Selbst auf schwarzem Stoff kann man die Linie des Zauberstiftes noch sehen, gute Beleuchtung natürlich vorausgesetzt....

Nachdem die Stoffteile also ausgeschnitten sind, werden die Applikationen auf die einzelnen Teile aufgebracht. Elastische Stoffe verziehen sich hierbei sehr leicht, weswegen sie gut fixiert werden sollten.
Schwierig wird es auch, wenn ein Muster über die Naht hinweg fortgesetzt wird, denn allzuschnell verschiebt sich der Stoff und es kommt zu unschönen Ansätzen. Hier hilft nur, lieber einmal mehr zu kontrollieren als einmal zu wenig und auch hier müssen die Stoffteile vor dem Vernähen gut fixiert werden. Je nach Schnitt und Geschmack darf man natürlich nötige Verschlüsse und andere Zier-Elemente nicht vergessen. Dieses Kleid bekam als Abschluss und auch im Rücken ein Spitzenband.



Wenn das Oberteil soweit fertig ist, heißt es ersteinmal anprobieren. Korrekturen in der Weite lassen sich jetzt noch relativ gut bewerkstelligen, ist das Kleid ersteinmal fertig, wird es ungleich schwerer.

In dem Fall hatte ich den Schnitt schon im Vorfeld etwas verändert, weil ich von anderen Projekten her schon wusste, an welchen Stellen er für Fräulein Mini-marelibu zu weit ausfällt. Änderungen waren hier nicht mehr nötig. :-)







Im nächsten Schritt wird nun die Hose vorbereitet und die Rockteile mit den entsprechenden Applikationen versehen. Auch hier besteht die größte Schwierigkeit darin, die Applikationen so zu setzen, dass das Muster vom Oberteil sich möglichst ohne Sprünge fortsetzen kann.
Wenn Rock und Hose fertig sind, werden sie in einem Schritt (also nicht mit jeweils einzelnen Nähten) mit dem Oberteil vernäht. Das klingt ersteinmal recht gut, aber wir arbeiten hier mit drei Lagen dehnbarer Stoffe und irgendetwas will sich da immer verziehen. Wenn man also an Vorarbeit spart, ist das Risiko groß, dass man zwar schnell fertig ist, eines der drei Teile aber an einer Stelle nicht mit den Beiden anderen vernäht ist. Also heißt dieser "eine" Schritt:  Rock ans Oberteil stecken, von Hand festheften (mit weiteren Stichen festnähen, der Heftfaden wird später wieder entfernt), dann die Hose mit Nadeln fixieren und ebenfalls von Hand heften. Die Heftstiche dürfen nicht zu weit sein, sonst verrutscht der Stoff wieder. Andererseits sollen sie auch nicht zu eng sein, damit man den Faden später möglichst leicht wieder entfernen kann.

Nachdem alle Teile miteinander fixiert sind, geht es also ein letztes Mal an die Nähmaschine.
Danach werden die Heftfäden entfernt. Damit dies leichter von der Hand geht, nehme ich hierfür gerne Garn in Kontrastfarben. So sieht man den Faden, den man ziehen möchte, viel leichter und zuppelt nicht versehentlich an den bleibenden Nähten herum.


Das Kleid ist nun an sich fertig. Fräulein Mini-marelibu möchte aber funkeln und deswegen werden im letzten Arbeitsschritt noch Glitzersteine aufgebracht. Zunächst lege ich sie lose vor, um zu sehen ob alles so wirkt, wie es soll. Noch kann man Änderungen in der Anordnung vornehmen...


Wenn dann klar ist, wie die Steine aufgebracht werden sollen, wird jedes Steinchen einzeln erhitzt und auf dem Stoff fixiert. Je nach Anzahl der Steine kommen hier auch noch einmal einige Arbeitsstunden zusammen. Aber in aller Regel lohnt sich die Arbeit, denn Glitzersteine, Perlen oder Pailletten werten so ein Kürkleid ungemein auf!




Was lange währt, wird endlich gut und so wurde auch dieses Kleid nach vielen vielen Stunden fertig.
Fräulein Mini-marelibu ist extrem stolz und sehr glücklich damit, zumal sie selbst auch mithelfen durfte.














Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen