Dienstag, 28. April 2015

Nähen gegen Neurodermitis

Mein Sohn leidet schon seit er ein Säugling war, an Neurodermitis. Von Ärzten haben wir wenig Hilfe erhalten, jahrelang wurde von diversen Kinderärzten behauptet, er habe "nur trockene Haut!" Kann man noch von einfach trockener Haut sprechen, wenn trotz 5-mal täglich dick cremen keine Besserung eintritt? Irgendwann sind wir zu einem Allergologen gegangen - ein Arzt für Erwachsene und er bestätigte unsere Vermutung. Leider durfte er unseren Sohn nicht dauerhaft behandeln, dafür gäbe es die Kinderärzte. Und so haben wir gelernt, uns so gut es ging selbst zu helfen.

In den ersten Jahren half es schon viel, neben der Hautpflege den Zuckerkonsum extrem einzuschränken. Mehr als eine Süßigkeit pro Woche gab es nicht, sonst kam der Ausschlag wieder. Aber irgendwann machte das keinen Unterschied mehr.

Nach einigen Jahren versuchten wir es mit Salzbädern. Die brachten erneut große Erleichterung. Als der Kinderarzt in einem Gespräch - eher durch Zufall - davon erfuhr, meinte er dann doch: "Oh, dann handelt es sich wohl doch um eine echte Neurodermitis!" Diagnose gestellt, Problem gelöst? Nix da - es heißt immer wieder nur cremen, cremen, cremen und die entzündeten Stellen breiten sich langsam aber sicher immer weiter aus. Neulich bekamen wir ein Rezept über 1%-ige Cortisoncreme - die sollten wir drei Tage in Folge auftragen, dann sei Ruhe. Weit gefehlt, es hat so gut wie keine Besserung gegeben. So langsam verliert man das Vertrauen in die Ärzte...

Ich erhielt nun einen Tip, dass es in dem Bereich eine recht gute Krankenhausambulanz gibt... ok, das werden wir versuchen. Allerdings geht das nicht von heute auf morgen und Sohnemanns Ausschlag wird zusehends schlechter. Er hat die Probleme hauptsächlich auf den Handrücken und in den Armbeugen, wobei die Hände schlimmer betroffen sind. Seit einer Woche bekommt er jeden Abend eine dicke Schicht Bepanthen-Salbe aufgetragen und dann einen Verband angelegt. So kann die Salbe die ganze Nacht hindurch wirken und die Haut heilt endlich etwas ab. Nun haben wir inzwischen sämtliches Verbandmaterial aufgebraucht. Neue Verbände kosten in der Apotheke 80 Cent. eigentlich kein Geld, aber die Dinger halten nicht mehr so lange wie früher, ein, zwei Tage, dann sind die nicht mehr zu gebrauchen, weil sie völlig zerfransen.

Es war also naheliegend, nach einer Alternative zu suchen. Ich habe mich also über unsere Jerseyreste hergemacht und mich dann ans Maschinchen gesetzt, heraus kamen eng anliegende Armwarmer aus doppellagigem Jersey mit einem Loch an der Seite, durch das der Daumen geführt wird. Die erste Anprobe entsprach meinen Vorstellungen, so dass ich jetzt noch einen ganzen Satz nähen werde. So haben wir dann genügend dieser Überzieher zum Wechseln und nach Gebrauch werden sie einfach ganz normal gewaschen.

Zum Gebrauch: Erst dick Salbe, dann eine Einlage darauf, damit das Fett und die Feuchtigkeit nicht durch den Stoff sickern und dann den Überzieher darüber. Sohnemann findet sie nicht nur viel cooler, sondern auch besser, weil der Verband doch gerne mal ein wenig rutscht und das ewige Wickeln fällt weg.

Habt ihr auch ein Neurodermitis-Kind zu Hause? Was haltet ihr von der Idee? Habt ihr Interesse an solchen Überziehern oder einer Näheanleitung?

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